Eine Liebeserklärung an Windhunde

Eine Liebeserklärung an Windhunde

- von Tierärztin Dr. Leonie Kondert

Vom Azawak, über den Barsoi, den Deerhound, den Galgo Espagnol und den Greyhound bis hin zum Whipet und zum Windspiel: Hier ist die Rede von den Vertretern der FCI Gruppe 10. Es gibt langhaarige oder befederte Windhunde, rauhaarige oder kurzhaarige.

Sie kommen aus dem nahen Osten, aus Russland oder Marocco sowie aus Spanien, Großbritannien oder Ungarn. Ob groß oder klein - zwei Attribute kann man ihnen allen zuschreiben: lange Beine, lange Nase. Wir lieben sie alle. Aber warum sind sie so anders? Sie sind anmutig und stolz, kommen sie so richtig in Fahrt dann halten alle Zuschauer die Luft an.

Bis zu 72km kann ein Greyhound laufen, wenn er will. Das ist schon beeindruckend - auch für jeden, der eigentlich kein Fan ist. Viele Kinder finden, dass sie sehr lustig aussehen, wie eine Figur aus einem Zeichentrick. So erscheinen die Proportionen ihres Körpers im Vergleich zu anderen Hunden fast unverhältnismässig: Der kleinen Kopf und der tiefe Brustkorb, die super langen Beine, die großen Ohren und der langen Schwanz. Warum sie eigentlich so aussehen, lässt sich physio-okölogisch durch die Bergmannsche Regel ganz einfach erklären.

Über das Aussehen der Windhunde - eine Reise in die Vergangenheit

Beziehungsweise mehr oder weniger einfach. Diese Regel besagt, dass es Tieren mit großer Körperoberfläche und geringer Körpermasse viel leichter fällt Wärme abzugeben. Eine weiteres Gesetz, die Allensche Regel, besagt, dass es Tieren mit extrem großen Ohren und einem langen Schwanz noch mal leichter fällt ihre Temperatur zu regulieren. Perfekt für alle Spezies, die nicht schwitzen können und die idealen Vorraussetzungen für einen Sichtjäger in großer Hitze. Damit die Anzahl der roten Blutkörperchen etwas zu erhöhen hat sich die Evolution auch etwas ganz Besonderes einfallen lassen. So kann ihre Muskulatur mit noch mehr Sauerstoff versorgt werden. Diese Tatsache hat schon so manchen Tierarzt beim Lesen eines Windhunde-Blutbilds ins Grübeln gebracht.



Nach all dem theoretischen Wissen fragt ihr euch bestimmt wie eigentlich meine persönliche Liebesgeschichte mit den Windhunden begonnen hat.

Es wird wohl im Alter von vier oder fünf Jahren gewesen sein, als ich das erste Mal die Abbildung eines Salukis bewusst wahrgenommen hab. Es war eine alte Zeichnung auf der Stalltür unseres Pferdestalls. Dort war eine Araber Stute mit mehreren Windhunden abgebildet. „Diese Tiere sind der Inbegriff von Schönheit, Perfektion, Unbezähmbarkeit und Freiheit“, hatte mir mein Vater damals erklärt. Dem Ton seiner Stimme und dem Funkeln seiner Augen konnte ich entnehmen, dass diese Attribute besonders und erstrebenswert waren. Der Grundstein für meine Liebe zu Windhunden war gelegt worden.

Nicht nur von meinem Vater wurde diesen Tieren beinahe etwas „Heiliges“ nachgesagt. So besagt eine mündlich überlieferte Geschichte, dass Windhunde bei den Beduinen niemals verkauft worden waren, sondern lediglich als Zeichen von Freundschaft weiter gegeben wurden. Trug ein Hund ein weißes Abzeichen auf der Stirn galt dieser als „von Alah geküsst“ und war somit gesegnet mit außergewöhnlicher Schnelligkeit und besonders viel Mut.

Die ersten Aufzeichnungen von Hunden dieses Typs stammen aber nicht von den Beduinen, sondern gehen noch weiter zurück - ins alte Ägypten. Aus dem 4. Jahrtausend vor Chr. stammen Darstellungen von schlanken, hochbeinigen Jagdhunden. Diese wurden als Tesem bezeichnet und ähneln im Phänotyp dem heutigen Podenco.

6.000 Jahre lang gibt es diesen Hundetypus nun also schon. In meinem Leben gibt es die Windhunde allerdings noch nicht ganz so lange.
Es war im Jahr 2017 als ich das große Glück hatte erstmals mit einer Windhündin zusammen zu wohnen. Ich war zutiefst beeindruckt von ihrer Saftmut und Güte sowie von ihrem unglaublichen Vermögen mit ihrer Mimik und Körpersprache genau zu kommunizieren was sie denk. Das hatte ich bisher noch nie erlebt. Sie war so feinfühlig, dass mir schien ein bloßer Gedanke an etwas reichte aus um sie dazu zu bewegen etwas zu tun. Ein Befehl war nicht nötig. Ganz im Gegenteil. Mir schien sie empfand es nahezu als respektlos ihr strenge Befehle zu geben. Kam es zu so einem Zwischenfall, stellte sie die Kommunikation mit mir immer komplett ein für ein paar Tage. Diese Hündin veränderte mein Leben und auch die Art der Kommunikation mit all meinen Patienten - egal welcher Spezies. Sie hat mir bewusst gemacht, dass jeder seine eigene Sprache spricht und auch, dass alle meine Patienten ganz viel Raum brauchen um das zu kommunizieren was ihnen am Herzen liegt.


Foto-Credit: Dr. Leonie Kondert (am Foto zu sehen ist ihre Windhündin Floxi)

Windhunde und die Jagd - ein leider sehr düsteres Kapitel

Leider gibt es auch ein sehr dunkles Kapitel, das hier nicht unangesprochen bleiben soll. Wo Hochleistung ist, gibt es auch viel Druck und eine starke Selektion. Wir Menschen haben ja oftmals eine "Gabe" dafür, uns an der Schönheit der Natur mit einer unbeschreiblichen Gier zu bereichern und dabei viel Leid zu verursachen. Ob bei den Greyhound Rennen in Irland, bei der Hasenhetzjagdt in Spanien oder bei den prestigeträchtigen Rennen im nahen Osten - sehr viele bleiben auf der Strecke. Eine Industrie die tausende Welpen produziert jedes Jahr um später all jene auszumerzen die wenig vielversprechend aussehen. Es ist traurig, dass die Gesellschaft es zulässt, dass sich einige wenige Menschen daran bereichern, diese Hunde auszubeuten.



Ich bin der Ansicht, wir sollten uns fragen, woher ein Mensch sich das Recht nimmt, über ein anderes Leben zu verfügen.
Jedem der diesen Artikel hier liest ist die Antwort wohl klar - und es liegt nun an uns, auf jene die das nicht verstehen zuzugehen und nicht aufzuhören nach Lösungen zu suchen, die diesen wundervollen Tieren ein Leben ermöglichen das ihrem sanften Wesen entspricht.

So schließt sich der Kreis und ich freue mich darauf auch in den nächsten Jahrzehnten noch viel von den Windhunden zu lernen - über das geheimnisvolle Wissen, welches schon über Jahrtausende hinweg von ihnen weiter gegeben wird.


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