Halsband oder Geschirr - was ist besser?

In diesem Beitrag erfahrt ihr von Katja mit ihrem Boxer-Rüden Charly, warum und in welchen Situationen im Alltag sie Halsband bzw. Hundegeschirr einsetzen. 

Katja & Charly: Über das Mensch-Hund-Team

Wer kennt es nicht? Man steht morgens (gefühlt) eine kleine Ewigkeit vor dem Spiegel, weil man nicht weiß was man anziehen soll… Dass es mir jemals mit meinem Hund gleich gehen wird, hätte ich nicht erwartet.

Ich bin Katja, 30 Jahre alt und lebe im wunderschönen Kärnten (Österreich) und bin eine bekennende Hundezubehör-Süchtige.
Zur Hundebesitzerin wurde ich eher durch Zufall. Aus „ich würde mir die Rasse gerne einmal anschauen“ wurde ganz schnell eine fixe Reservierung eines Hundes, der zu dem Zeitpunkt noch im Bauch seiner Mama war.
Das ich ausgerechnet den frechsten und selbstbewusstesten Hund bekommen würde konnte ich damals nicht abschätzen. Charly, so heißt mein nun 8,5 Jahre alter Boxer-Rüde, war für eine Ersthundebesitzerin wie mich eine wirklich große Herausforderung.

Der einfache Weg ging bei uns irgendwie nie. Also habe ich sehr viel Zeit damit verbracht, mir verschiedene Methoden zu unterschiedlichen Dingen anzuhören, anzusehen und zu lesen und hab viel mit anderen Hundebesitzern geredet.
Schon damals wurde mir klar, dass die Frage nach dem richtigen „Führgegenstand“, also Halsband oder Geschirr, nicht eindeutig zu beantworten ist. Es kommt mir so vor, als wären es zwei verfeindete Lager oder zwei verschiedene Religionen. Und oftmals sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Halsband oder Geschirr - Vorteile und Nachteile im Pawsome Hundeblog
Ich will euch in unserem Blogbeitrag einen kleinen Einblick gewähren und meine Erfahrungen mit euch teilen.
😊

Das Halsband – die Ausgeburt des Bösen?

Wir haben wirklich schon sehr sehr viele unterschiedliche Hersteller und Materialien getestet bis wir endlich etwas gefunden haben, was unseren (ja ich schreibe hier bewusst unseren) Ansprüchen genügt. Bevor ich aber die allgemeinen Vor- und Nachteile des Halsbandes beschreibe möchte ich euch ein nicht so tolles Erlebnis erzählen.

Hundehalsband von Pawsome Hundezubehör WienAls Charly wenige Monate alt war, habe ich in einem großen Tierfachgeschäft ein Halsband einer recht gängigen/bekannten Marke gekauft. Farbe und Ausführung war meiner Meinung nach super! Er hat es eigentlich noch nicht oft getragen – vielleicht 2 oder 3 Mal… Als sich eines Nachmittags eine Freundin ankündigte, dachte ich mir, dass ich sie gleich unten vor unserer Wohnanlage begrüßen werde. Daneben war eine gut befahrene Straße. 

Die liebe Freundin, die uns besuchte, wurde von Charly abgöttisch geliebt. Der Powerboxer sah sie und zog so fest an der Leine, dass sich das Halsband öffnete. JA! Das Unaussprechliche ist passiert und mir blieb fast das Herz stehen. Da war mein wenige Monate alter Boxerbub ohne Halsband – völlig frei – auf der Straße… Mein Glück war, dass er direkt meiner Freundin in die Arme lief. Also ging alles Gott sei Dank gut aus!

Hier möchte ich anmerken, dass das schon 8 Jahre her ist, Materialfehler ja überall mal auftauchen können und dass sich das erwähnte Produkt ja auch stetig weiterentwickelt bzw. verbessert wird… Sowas kann passieren – darf aber keinesfalls sein!

Vorteile von Halsbändern

Aber wenn euer Hund jedoch lernt, dass er an lockerer Leine gehen soll/kann/darf/muss, dann ist das Halsband eine wunderbare Möglichkeit miteinander zu interagieren.
Wer zum Beispiel in der Stadt unterwegs ist bietet das Führen am Halsband eine viel höhere Präzision an.
Aber was meine ich genau damit? Wenn man den Hund an kurzer Leine und Halsband führen muss, hat der Vierbeiner nicht viel Spielraum auszuweichen. Ich habe somit einfach mehr Einfluss auf seine Bewegungen – somit sind wir schon einigen Glasscherben erfolgreich ausgewichen.
Ein weiterer riesengroßer Vorteil beim Tragen eines Halsbandes ist, dass die Hunde nicht eingeschränkt werden und somit am Rücken vollste Bewegungsfreiheit haben.

Was für mich persönlich das Tollste an Halsbändern ist? Es gibt die unterschiedlichsten Farben, Formen und Materialien und mir macht es Spaß „neue“ Halsbänder für den Sir auszusuchen!

Was jedoch bei falschem Gebrauch von Halsbändern passieren kann?

  • Wenn Wuffi zum Beispiel dauerhaft zieht, wird die Luftröhre gequetscht und im Worstcase der Kehlkopf verletzt.
  • Es können in diesem Fall sogar chronische Entzündungen im Hals-/Rachenbereich auftreten.
  • Die Halsmuskulatur wird außerdem durch dauerhaftes Zerren sehr beansprucht – denn durch das Entgegenhalten entsteht automatisch Spannung und diese wiederum kann zu Kopfschmerzen führen.
  • Schreckhafte Hunde können sich mit einem Satz nach hinten leicht aus dem Halsband befreien. 

Es ist also immer eine individuelle Frage, ob für euch als Team ein Halsband (schon) geeignet ist. 

Das Geschirr – die eierlegende Wollmilchsau?

„Wenn der Hund zieht, dann soll er ein Geschirr tragen!“ Viele von euch haben diesen Satz bestimmt schon einmal gelesen oder gehört.

Aber ist das wirklich so viel besser? Bevor ich die (meiner Meinung nach) Vor- und Nachteile aufzähle, will ich euch auch noch ein persönliches Erlebnis schildern.

Als Hundeneuling wurde mir recht früh ein Geschirr ans Herz gelegt, denn „so verteilt sich der Druck beim Ziehen ja auf eine größere Fläche“.

Hundegeschirr aus Biothane im Pawsome Hundezubehör Shop Wien
Ja, das stimmt grundsätzlich auch. Doch war mir damals noch nicht klar, wie viele unterschiedliche Geschirrarten es gibt und dass vielleicht nicht alle so gut für Charly geeignet sind.

Als fürsorgliche Ersthundebesitzerin habe ich natürlich ein mir empfohlenes Sattelgeschirr einer bekannten Marke gekauft. Anfangs war ich richtig begeistert! Doch die Kehrseite zeigte uns recht früh. Mit Leichtigkeit konnte Charly nämlich aus dem Geschirr herausschlupfen.
Ein weiterer Nachteil: Charly sprang plötzlich nicht mehr ins Auto. Zunächst habe ich das aber noch nicht mit dem neuen Geschirr in Verbindung gebracht. Denn anfangs schob ich das Verhalten auf die beginnende Pubertät.

Doch als er dann einmal ein Halsband trug hüpfte er ohne Probleme in den Kofferraum. Ich habe mir dann das Geschirr genauer angeschaut und habe versucht nachzuvollziehen, wo die Gurtbänder Charly einengen könnten.
Schnell wurde mir klar, dass ihn das Führgeschirr im Brust-, sowie im Schulterbereich stark behindert hat.

Manchmal kommt es mir so vor, als wäre ein gutsitzendes Geschirr wie ein Sechser im Lotto. Selten – aber wenn man eines hat kann man mehr als happy sein.

Wenn ihr euch entschließt ein Geschirr zu kaufen, sind ein einige Dinge zu beachten:

  • Das Geschirr darf nicht zu eng sein, denn dadurch wird die Bewegungsfreiheit enorm eingeschränkt. Passt unbedingt auf, dass der hintere Seitengurt ein paar Zentimeter von der Schulter/Vorderbein entfernt ist.
  • Ist das Geschirr zu eng, können Scheuerstellen entstehen und das Fell, welches unter dem Gurt ist, kann kaputt werden.
  • Schaut, dass euer Hund das Geschirr nicht nur im Stehen probiert. Geht ein paar Schritte gemeinsam und beachtet den Bewegungsablauf eures Hundes. Idealerweise zieht euer Wuffi auch einmal, damit ihr genau sehen könnt ob der Druck sich gleichmäßig verteilt.
  • Das Geschirr darf außerdem nicht zu locker sitzen. Dadurch hat euer Vierbeiner die Möglichkeit aus dem Geschirr zu schlüpfen.
  • Beachtet außerdem die Schließtechniken. Einige Geschirre lassen sich nämlich nur über den Kopf an-/ ausziehen. Das kann für einige Hunde sehr unangenehm sein.

Beobachtet euren Hund genau! Schaut, ob euer Vierbeiner das Geschirr gerne anzieht. Wenn euer Wuffi das Geschirr nicht gerne anzieht, sich eventuell sogar abwendet, wenn ihr das Geschirr in die Hand nehmt, kann das ein Zeichen sein, dass das Tragen oder Anlegen des Geschirres sehr unangenehm ist.
Die Gurtbänder drücken vielleicht auf Bereiche, die euren Hund Schmerzen bereiten. Oder es bedeutet, dass ihr das Anlegen des Geschirrs nochmal üben und positiv neu aufbauen müsst. 

Vorteile von Hundegeschirren

Wenn ihr nun alle Punkte beachtet, könnt ihr den großen Vorteil der Geschirre voll auskosten – nämlich die gleichmäßige Druckverteilung bei Zug.
Das heißt, dass auch der Hals- sowie Nackenbereich entlastet wird. Die Geschirre eignen sich durch ihren guten Sitz auch für sportliche Aktivitäten.

Hier also nochmals zusammengefasst:

Halsband: Vorteile

  • Gibt es in vielen Farben/Materialien
  • Gute Kontrolle über den Hund
  • Starke Bewegungsfreiheit

Geschirr: Vorteile

  • Gleichmäßige Druckverteilung
  • Entlastet den Hals-/Nackenbereich
  • Geeignet für sportliche Aktivitäten

Halsband: Nachteile
Bei starkem Zug:

  • Starke Belastung der Luftröhre/Halsbereich
  • Schreckhafte Hunde können sich leicht befreien

Geschirr: Nachteile
Wenn es nicht richtig sitzt:

  • Scheuer-/Druckstellen
  • Starke Bewegungseinschränkung (Schulter)
  • An-/Ausziehen kann unangenehm sein 

Team Halsband oder Team Geschirr?

Nach all den Vor- und Nachteilen habe ich eine Frage an Euch: Seid ihr nun Team Halsband oder Team Geschirr?

Wir nutzen beides sehr gerne und wirklich abwechselnd. Für den Alltag und für kurze (stressfreie) Spaziergänge an der Leine benutze ich sehr gerne unsere Halsbänder in verschiedenen Breiten.

Hundehalsband aus Fettleder von Pawsome Hundezubehör Shop Wien
Je länger wir unterwegs sind, desto breiter ist das Halsband. Wenn wir nur eine kurze Runde Gassi gehen oder für einen langen Tag im Büro bevorzuge ich die Halsbänder. Charly kann so unbeschwert liegen und sich ganz „frei“ bewegen. Außerdem habe ich gemerkt, dass sich Charly beim Treppensteigen mit den Halsbändern einfach leichter tut.
Mit 8,5 Jahren ist das nämlich auch nicht mehr zu unterschätzen.

Für unsere abendlichen, ganz entspannten Spaziergänge oder für Spaziergänge wo ich bewusst nicht auf die Leinenführigkeit achten kann/will, (weil wir zum Beispiel hündische Begleitung haben) trägt Charly sein perfekt sitzendes Geschirr. Dort ist er ab und zu auf Zug, geht aber auch an lockerer Leine neben mir her.
😊

Wir sind also flexibel und wir (!) sind mit dieser abwechslungsreichen Variante mehr als glücklich.

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