Leinenpöbler: Leinenaggression vs. Leinenfrust - Was ist der Unterschied? Teil 2

Letzte Woche sahen wir uns die Leinenaggression genauer an und stellten fest, dass ‘Aggression’ nicht immer Aggression ist. Diese Woche beschäftigt uns eine weitere Ursache für viele Leinenpöbler: die Frustration. Wie du mit diesem Frust umgehen kannst beschreiben wir in diesem Beitrag.

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Das sind wir – Reva & Me

Wir sind Jessica, 35, Hundemama und Reva, 4, eine Pyreneeshündin aus dem Tierschutz. Ich bin Hundemutter mit voller Leidenschaft und Reva hat einen Kopf voller Flausen. So passen wir perfekt zueinander.

Mein Herz schlägt seit Kindestagen für Hunde und mit Reva erfüllte ich mir den Traum vom eigenen Hund. Zum zweiten Mal um genauer zu sein. Meine große Leidenschaft gilt der Arbeit mit Hunden aus dem Tierschutz, da mich gerade die verletzten Hundeseelen sehr ansprechen.

Auf unserem Account berichte ich von kleinen und großen Abenteuern die wir miteinander erleben. Wir schwelgen in Erinnerung an meine verstorbene Hündin und zeige offen und ehrlich unseren Alltag. Mit all unseren Macken & Fehlern, da diese normal sind und kein Mensch-Hund-Team davon frei ist.

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Die Leinenfrustration

Meine persönliche Erfahrung mit Leinenfrust

Als Reva einzog war ich guter Hoffnung, das Thema Leinenaggression umgehen zu können. Sie zeigte ein offenes Wesen, keinerlei Ängste in Bezug auf fremde Hunde und in jeder Situation waren Hundebegegnungen möglich.

Was tun, wenn der Trainer die Frustration nicht erkennt?

Sobald Reva Hunde bemerkte stellte sie sich auf die Hinterpfoten und machte sich lang. Die Hunde mussten nicht einmal zu sehen sein, der Geruch reichte schon aus. Außerdem wollte sie zu den anderen Hunden. Dieses Verhalten machte mich von anfang an stutzig. Aber eine mir bekannte Hundetrainerin tat diese Verhaltensweisen als 'Welpentypisch und vollkommen normal' ab.

Kurz darauf setzte ein wildes Geschrei und Gezeter ein. Sie reif nach den Hunden und ihre Ausdauer war dabei bemerkenswert. Ich schenkte diesem Verhalten keine Aufmerksamkeit, egal wie peinlich es mir war, ich ignorierte es. Und tatsächlich, mit Beginn der ersten Pubertät war es verschwunden.

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Mit Pubertät beginnt neues Verhalten

Dafür setzte mit Beginn der zweiten Pubertät ein neues Verhalten ein. Nun begann das wilde bellen, das in die Leine springen, sobald Hunde sichtbar waren. Da ich von meiner alten Hündin noch mit dem Thema Leinenaggression vertraut war ging ich hierbei von einer Leinenaggression aus. Allerdings war mir auch nichts anderes bekannt.

Ich durchwühlte das Internet, sprach mit bekannten Trainern und versuchte Tipps umzusetzen. Leider passte nix zu uns und das Problem blieb und verstärkte sich sogar noch. Da bat ich eine Bekannte uns zu begleiten und das Verhalten auf Video aufzunehmen.

Ich analysierte Revas Verhalten zuhause in Ruhe und war erstaunt, hierin KEINE Leinenaggression zu erkennen. Nein, im Gegenteil, denn Reva hat eine Leinenfrustration.

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Allgemeine Infos zur Frustration an der Leine

Vielen ist das Thema der Leinenfrustration unbekannt und gehen automatisch von Aggression an der Leine aus. Kein Wunder, immerhin ist das Verhalten welches der Hund zeigt, oft ähnlich. Eine Leinenfrustration entsteht genauso durch zu viele Reize, die der Hund als negativ abspeichert.

Leinenfrust erklärt anhand eines Beispiels

Machen wir zur besseren Verdeutlichung nochmal einen 'Spaziergang'. Wir gehen mit unserem Hund eine Runde. Hier sehen wir einen wieder zweiten Hund, welcher in Entfernung in di gleiche Richtung geht.

Diesmal stellt sich unser Hund auf die Hinterbeine, macht sich groß und nimmt den Geruch auf. Weiters beginnt er wild nach vorne zu hüpfen. Vielleicht fängt dein Vierbeiner an wild hinter dem Hund her zu bellen, aber in einem spielerischen Ton. Du erkennst sofort, dass dein Wuffi die Impulse nicht kontrollieren kann. Er ist sofort gefrustet, daher auch das Bellen und Fiepen.

Nun ändern wir unseren 'Spaziergang' und der fremde Hund kommt frontal auf uns zu. Hier wird sich unser Hund zum Fixieren kurz hinlegen und in Spielhaltung nach vorne springen, oder nimmt die Spielaufforderung ein. Sind beide auf einer Höhe versucht dein vierbeiner Kontakt zu bekommen, es wird wild gezerrt und gebellt. Diesmal hörst du hierbei eine richtige Frustration im Tonfall.

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Hilft nur Impulskontrolle bei Frust?

Nun denken viele, dass ein Hund, der früh Impulskontrolle gelernt hat und keinen Leinenkontakt kennt, hierfür kein Kandidat ist und die Menschen am Frust an der Leine selber schuld sind. Und hier kann ich klar NEIN sagen, so einfach ist es nicht.

Selbst wenn du mit deinem Welpen an der Impulskontrolle arbeitest und konsequent bist, was Leinenkontakte angeht, kann es trotzdem passieren. Zum Beispiel sind sensible Hunde oft betroffen, da bei ihnen Impulskontrolle nur gering hilft. Ihre Reizempfindlichkeit ist um ein vielfaches höher als bei „normal sensiblen“ Hunden.

Hier sind die Ursachen individuell zu finden. Der eine hat vielleicht seinen Hund öfters mit einer Schleppleine oder einer normalen Leine mit anderen Hunden spielen lassen. Der andere hat nie an Impulskontrolle gearbeitet. Erschreckend viele Hundehalter, haben keine Ahnung, dass sie an Impulskontrolle arbeiten können.

Andere Hunde kennen keine klaren Grenzen und durften zu jedem Hund hin, egal ob an der Leine oder im Freilauf. Und dann gibt es noch die Hunde, die von ihrem Menschen zum Hallo sagen an der Leine gezwungen werden.

Betrachte das Verhalten von deinem Hund genau

Jeder Hund muss in seinem Verhalten individuell betrachtet werden, um einen passenden Lösungsansatz finden zu können. Ein Wechseln der Straßenseite ist oft sinnlos. Denn dein Hund den anderen Vierbeiner bereits riecht und darauf reagiert. Es gibt sogar Hunde, die auf das Klimpern von Hundemarken am Halsband oder Geschirr reagieren.

Daher ist es hierbei sehr wichtig den Hund zu beobachten um den Lösungsansatz in der richtigen Situation einbauen zu können. Denn Timing ist hierbei alles.

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Fazit: Leinenfrust schnell erklärt

1. Beobachte das Verhalten von deinem Hund genau

Nur weil dein Hund bei einem näherkommenden Hund bellt und an der Leine springt, muss er kein aggressiver Hund sein. Vielmehr solltest du hier das Verhalten deines Hundes genau betrachten und versuchen ein Verhalten zum Alltag herstellen zu können.

Macht dein Hund gerade körpersprachlich eine Spielaufforderung? Oder ist er zuhause genauso schnell frustriert im Tonfall? Wirkt dein Hund unsicher oder eher animierend?

2. Wie gut funktioniert die Impulskontrolle?

Kennt mein Hund überhaupt Impulskontrolle? Wie kommt er mit Frustration klar? Es gibt so viele tolle Übungen und Spiele die du machen kannst, um dies zu testen und ggf. zu fördern. Gewährte ich meinem Hund zu oft Leinenkontakt, woraus dieser damit spielen verknüpfte?

3. Wann zeigt dein Hund Frustration?

Wie reagiert mein Hund auf Grenzen und Zurechtweisung? Damit ist keine harte körperliche Korrektur gemeint, sondern vielmehr z.B. eine Unterbrechung im Hundespielen? Ist er schnell gefrustet? Fiebt er schnell oder sucht er sich eine Alternative für zum Abbau für den aufkommenden Stress?

4. Arbeite mit einem Trainer oder alleine an einer Lösung

Jeder professionelle Trainer sollte dich auf deinem individuellen Weg unterstützen. Keine One-Size-Fits-All-Lösung ist hier angebracht. Jedes Team ist unterschiedlich und muss genauso beraten werden.

Genauso kannst du dir online Unterstützung holen und gemeinsam mit deinem hund an eurem Problem arbeiten. Es gibt natürlich viele Bücher und Seminare zu diesem Thema. Finde die beste Lösung für dich.

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Leinenaggression vs. Leinenfrust - Wie kann ein Lösungsansatz aussehen?

Zwei unterschiedliche Themen und ein gleicher Lösungsansatz – In der Ruhe liegt die Kraft

Wenn wir wissen, dass diese beiden „Fehlverhalten“, zwei verschiedene Hintergründe haben, so haben sie doch viel gemeinsam: Einen Menschen, der mit diesem Verhalten meist überfordert ist.

Nun ist das Internet voll von vielen verschiedenen Trainingsmethoden, jeder Hundetrainer hat scheinbar die perfekte Lösung. Meine Erfahrung zeigte mir, dass dies nicht stimmt. Hundetrainer können sich irren und die perfekteste Methode bringt nix, wenn das Grundproblem nicht behoben wird: Der Mensch!!

Wie musst du dich verändern, damit dein Hund weniger Reaktionen auf Reize zeigt

Der Mensch muss in erster Instanz lernen die Ruhe zu behalten!! Wenn der Mensch ruhig und entspannt in den Spaziergang startet, ohne die Gedanken an evtl. störende oder stressige Hundebegegnungen, so haben wir hier eine viel bessere Ausgangslage. Der Mensch überträgt seine innere Ruhe auf den Hund, strahlt viel mehr Vertrauen und Selbstsicherheit aus.

Der Hund merkt, er kann sich auf seinen Menschen verlassen. Gleichzeitig muss er nicht mit Situationen rechnen, die er selber klären muss. Wenn ein anderer Hund auftaucht heißt es nur Ruhe bewahren und seinen Lösungsansatz, den du mit einem Trainer oder selbst antrainiert hast einbauen.

Wie dieser Lösungsansatz aussieht, ist individuell und kann nicht pauschalisiert werden.

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Welcher Lösungsweg half uns?

Mir und Reva brachte die „Click für Blick“ Methode die Lösung. Ich gehe mit meinem Clicker in der Hand Gassi und habe die Leine in der anderen Hand locker. Reva lernte, dass es für jeden Blickkontakt einen Click gibt. Wenn ich einen Hund sehe der weit voraus läuft, bleib ich stehen, lasse Reva den Geruch aufnehmen. Danach warte ich auf den Blickkontakt.

Ich mache nix. Ich bleibe ruhig und fasse die Leine nicht kürzer. Ich warte auf den Blick und bestätige ihn mit dem Click. Wenn ich sehe, dass es ihr an einem Tag schwerer fällt ruhig zu bleiben, bekommt sie ein super tolles Leckerli.

Wenn der Hund uns frontal begegnet, clicke ich sobald Reva den Hund sieht und ruhig bleibt. Je nach Entfernung warte ich noch auf einen Blickkontakt und clicke erneut. Danach nehme ich mir Reva, die rechts von mir an der Leine läuft zur Seite. Ich stelle sie mir zwischen die Beine und drehe sie somit mit dem Gesicht weg zum entgegenkommenden Reiz.

Sie sieht in eine völlig andere Richtung. Die Leine lege ich auf den Boden, lasse sie komplett los. Meine rechte Hand liegt auf ihrem Brustbein, da dies ein beruhigender Punkt beim Hund ist. Meine linke Hand liegt auf ihrem Geschirr um sie im Notfall halten zu können.

Ich bleibe ruhig, entspannt und spreche nicht mit ihr. Dann warte ich ab, bis der Hund an uns vorbeigegangen ist. Sobald Reva den Hund riecht und ruhig bleibt, gebe ich ihr den Click. Wenn der Hund vorbei ist, gehen wir ruhig und ohne zu sprechen weiter. Wenn sie mich ansieht und nicht dem Hund hinterher guckt gibt es wieder einen Click und Leckerli.

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Unser Weg zu einer entspannten Leine

Das ist unsere Lösung. Ich weiß, dass sie gerne bei einer Leinenaggression eingesetzt wird und gut helfen soll. Aber bis wir an dem Punkt waren, wo wir jetzt sind, ist beinahe ein Jahr vergangen. Für uns bedeutet das konsequent sein bei jedem Gassi, auch einer Mini-Runde den Clicker dabeizuhaben.

Wie gesagt, jeder Hund benötigt seine individuelle Lösung. Es bringt nix, das Internet zu durchforsten, alles kurz zu versuchen und auf ein Wunder zu hoffen. Das erhöht die eigene Frustration und sorgt dafür, dass du das Vertrauen in deinen Hund verlierst und Gassi gehen ein Alptraum bleiben.

Ich möchte abschließend noch kurz erwähnen, dass jedes Fehlverhalten, egal wie festgefahren es ist, durchbrochen werden kann. Du solltest dich nicht schämen Hilfe zu suchen oder um Rat zu fragen. Gerade in diesen Situationen kannst du viel verbessern und ein persönlicher Trainer bringt mehr als irgendwelche Videos.

Auch wenn es einigen hilft, so können sie auch viel zerstören, da diese Videos nie alle Details zeigen. Ebenso zeigen TV-Sendungen zur Hundeerziehung oft nur kleine Ausschnitte, nie das Grundproblem, welches es zu lösen gilt.

Wenn du in so einer Situation steckst: glaube an euer tolles Hund-Mensch-Team, denn solche Baustellen gehören dazu und lassen euch zu etwas unglaublich tollem heranwachsen.

Habt Mut und durchbrecht den Kreis, ihr werdet sehen, die Arbeit, egal wie lang sie dauert, wird sich lohnen!!

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Welche Erfahrungen hast du mit Leinenaggression oder -frustration gemacht? Hast du vielleicht auch einen Leinenrambo zu Hause? Welcher Lösungsweg hat für euch funktioniert?

Bitte erzählt uns von deinen Erfahrungen und hilf anderen hundemenschen sich nicht alleine zu fühlen.


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